Die junge Thailänderin, die mit einem deutschen Ingenieur verheiratet war und ihn durch die Flut verloren hat, fällt Sven Tittelbach-Helmrich weinend und dankbar um den Hals. Er hatte es mit ermöglicht, dass der Leichnam ihres Mannes so präpariert worden ist; dass er nach Deutschland überführt und somit in Würde in seiner Heimat bestattet werden konnte.

Von Marlis KIESEWALTER

ARNSTADT.
Sven Tittelbach vom gleichnamigen Bestattungsinstitut, der auch eine Ausbildung als Thanatologe absolviert hat, war bereits in mehreren Krisenregionen der Welt im Einsatz, um Unfall- oder Erdbebenopfer wieder hygienisch so herzurichten und einzubalsamieren, dass sie identifiziert oder öffentlich aufgebahrt werden konnten. Nun war er zu seinem bisher härtesten Einsatz eine Woche in Phuket in Thailand (TA berichtete). Sein erster Satz in Arnstadt: "Es war schrecklich." Er sah massenhaft verweste Leichen und aufgedunsene Babyleiber in den Tempelanlagen von Phuket. "Unvorstellbar", beschreibt er. Dort habe er nicht nur die Toten zur Konservierung in das Camp nahe des Flughafens geholt, sondern sich mit seinem Team auch darum gekümmert, dass alle Papiere der Identifizierten bei der Botschaft besorgt worden sind. Somit konnten diese nach der entsprechenden Präparation in Zinksärge gebettet und in die Flugzeuge nach Deutschland gebracht werden. "Für die Trauernden, die ihre Verwandten verloren haben, war das dort in dieser für sie schmerzlichen Situation das derzeit Lebenswichtigste, ihre' Verstorbenen nach Hause zu bringen."
Eine deutsche Familie kam mit einem Pickup in das Camp gefahren, den Toten auf der Ladefläche. "Bitte helfen Sie uns, dass wir ihn begraben können", flehten die Angehörigen. Bei den unzähligen Leichen und dem Ausmaß der Katastrophe ging dies alles nicht so schnell. Aber jeder, der irgendwie betroffen war, war ungeduldig, wollte es hinter sich bringen, zur Ruhe kommen.
Sven Tittelbach gehört mit 40 Bestattern der - Interessengemeinschaft .Deathcare Embalming" an, die auf Anforderung der deutschen Regierung nach Thailand gereist ist. Unter den schwierigsten Bedingungen hat er die .Flutopfer rekonstruiert", Denn die Leichen waren durch Wasser, Verletzungen und nicht zuletzt durch die Temperaturen bis 40 Grad bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Obwohl psychologisch geschult, könne er die Bilder nicht vergessen, "das dauert Wochen", sagte er gestern.
Von der Botschaft in Bangkok hat Tittelbach ein Dankschreiben. erhalten. "Ihr selbstloser Einsatz hat die Rettungsrnaßnahmen gerade an einer Stelle ergänzt, wo die üblichen Helfer keine Hilfe mehr leisten können und daher an ihre psychischen Grenzen stoßen." Für die Hinterbliebenen der Opfer sei gerade der Beitrag der Thanatologen entscheidend, um die sterblichen Überreste würdevoll beisetzen zu können und damit die Trauer zu bewältigen.