Westdeutsche Zeitung v.  07.Januar 2005

BEBEN IN ASIEN
Deutsche Flutopfer in Thailand für ihre letzte Heimreise präpariert.
         

In Thailand werden die Leichen in Trockeneis konserviert, um ihre Verwesung aufzuhalten.
Hilfsarbeit an der Grenze des Erträglichen

Der Bestatter Sven Tittelbach-Helmrich präpariert deutsche Flutopfer für ihre letzte Reise zurück nach Hause. Kraft schöpft er aus der Dankbarkeit der Angehörigen.

Arnstadt. Diese Arbeit ging selbst hartgesottenen Bestattern nahe: Fast eine Woche lang hat Sven Tittelbach-Helmrich deutsche Flutopfer in Thailand für ihre letzte Heimreise präpariert. Dafür war der Bestattungsunternehmer aus dem thüringischen Arnstadt mit einem nach seinen Angaben einzigartigen Helferteam auf der Insel Phuket.

Die zehn auf Einbalsamierung spezialisierten Experten konservieren ehrenamtlich tote Urlauber für die Überführung in die Heimat. "Die Familie soll eine vernünftige Trauerfeier machen können und wissen, der Verstorbene ist hier und nicht in einem Massengrab in Thailand", sagt Tittelbach nach seiner Rückkehr. Damit habe die Bundesregierung erstmals ein nur auf die Versorgung der Toten spezialisiertes Team in ein Katastrophengebiet geschickt, erzählt der 39-Jährige.

Zu dem "Deathcare Embalmingteam" ("Totenbetreuung Einbalsamierungsteam") haben sich rund 40 deutsche Bestatter zusammengeschlossen. Die vor fünfeinhalb Jahren gegründete humanitäre Vereinigung hat bereits nach schweren Erdbeben in der Türkei und in Taiwan im Auftrag der dortigen Regierungen gearbeitet. Tote wurden chemisch konserviert und entstellte Leichen kosmetisch präpariert.

Bei den verwesten Toten in Thailand seien kosmetische Arbeiten aber nicht mehr möglich gewesen, berichtet Tittelbach. Zu lange hätten die Körper bei schwülwarmen Temperaturen bis 35 Grad unter freiem Himmel gelegen. "Da geht der Verwesungsprozess sehr, sehr schnell." Angehörigen rät der Bestatter dringend ab, am offenen Sarg von ihren Verstorbenen Abschied zu nehmen.

Nach Angaben der Bundesregierung wurden bisher rund 60 Tote aus Deutschland identifiziert. Etwa 1000 Deutsche werden vermisst. "Es ging vor allem um das Einhalten der gesetzlichen Bestimmungen für die Überführung", erklärt Tittelbach und klappt seinen Aluminiumkoffer auf, an dem noch die Flugbanderolen hängen.

Umschlossen von einem verlöteten Zinkbehälter in einem Kiefernsarg wurden die Toten schließlich zum Flughafen gebracht. Der Anblick der zahllosen Leichen ging auch für den Bestatter oft an die Grenze des Erträglichen. "Das werde ich wohl lange nicht vergessen", sagt Tittelbach. "Da waren junge Leute, ein altes Ehepaar und wenn Sie dann ein Kind sehen . . ."
Wichtig war ihm, mit seinen Kollegen über die schrecklichen Erfahrungen sprechen zu können und emotionalen Abstand zu den Leid erfüllten Angehörigen der Toten zu wahren. Doch die Dankbarkeit der Hinterbliebenen gab den Helfern Kraft.