Tausende Menschen sind bei dem verheerenden Seebeben am zweiten Weihnachtsfeiertag ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen haben gewarnt, dass es nach der schlimmsten Naturkatastrophe der jüngsten Geschichte in Südasien zum Ausbruch von Seuchen kommen könnte. Einer, der sofort dort helfen würde, ist Sven Tittelbach-Helmrich aus Arnstadt.

Von Marlis KIESEWALTER


ARNSTADT.
Der Inhaber des Arnstädter Bestattungsinstitutes Tittelbach ist zugleich ausgebildeter Thanatologe - er nimmt Einbalsamierungen an Verstorbenen auch in seinem Institut nach Wunsch der Hinterbliebenen vor. Doch er hilft vor allem auch bei schweren Erdbeben, bei Havarien, Zugentgleisungen mit vielen entstellten Toten, um diese wieder menschlich herzurichten, zu rekonstruieren.Sven Tittelbach-Helmrich hat sich bereits vor Jahren mit insgesamt 40 Bestattungsinstituten in ganz Deutschland zur Interessengemeinschaft "Deathcare Embalming" zusammengeschlossen. Diese richtete gestern selbstständig Fragen per Internet an die jeweilige Regierungen nach der schweren Katastophe, wie sie sich in Indien, Sri Lanka, Malaysia, Thailand zugetragen hat und wo tausende von Leichen zu bestatten sind. Das "Modern Embalming", ist auch bekannt als praktische Thanatologie, das sie in diesen Ländern als Hilfe anbieten, ist eine eigenständige Form der hygienischen Ttenversorgung für die offene Aufbahrung, auch unter extremen Bedingungen. Es gehe dabei darum, den Verstorbenen so zu versorgen und herzurichten, dass eine Identifizierung möglich ist. Zum anderen sei es wichtig, so erklärte gestern der ausgebildete Thanatopraktiker, dass bei einem Massensterben, bei dem die Toten nicht sofort beerdigt werden, die Leichen so präperiert werden, dass sie etwa drei Wochen aufgebahrt bleiben können.
   Und so sitzt der Arnstädter seit gestern immer wieder am Computer, ruft die Mails ab, ob schon ein entsprechender Hilferuf eingegangen ist. Ein Einsatz wäre sofort möglich, denn die IG "Deathcar Embalming" hat einen "Flugcontainer" in Paderborn stehen, der über den Airport Frankfurt in das jeweilige Land geflogen werden könne. So brauche nicht jeder einzelne Thanatologe seinen Koffer zu packen. Denn in diesem Container ist alles, was zur sofortigen Hilfe nötig ist, professionell eingepackt - dazu gehört auch die entsprechende Kleidung für die Bestatter. Müssen sie doch in den Katastrophengebieten ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen verrichten.
   Der Arnstädter erinnert sich noch sehr gut, wie es vor vier Jahren in Taiwan war, als 20.000 Menschen durch ein schweres Erdbeben ums Leben kamen. Damals war er gemeinsam mit anderen Thanatologen in die Krisengebiete gereist, um erst einmal die Leichen einzubalsamieren.
Bei einer solchen Einbalsamierung handele es sich immer um eine "innere Konservierung", erklärte Tittelbach. Hierbei würde eine Formalinlösung in das Gefäßsystem gepumpt, so dass diese Lösung in den gesamten Körper gelangt und diesen somit mindestens drei Wochen vor einer Verwesung bewahre, was in den südlichen Ländern mit tropischen Temperaturen sehr wichtig sei, damit auch einer Seuchengefahr mit vorbeuge.
   Der Arnstädter Thanatologe ist psychlogisch geschult, besitzt theoretische und praktische Kenntnisse der Anatomie, Pathologie, Bakteriologie, Chemie und Desinfektion. Und was das wichtigste ist: Er verfügt über Wissen über die restaurative Wiederherstellung eines Toten, über Konservierung und Rekonstruktion von Unfallopfern.